Die Kosaken aus Rostov am Don



Kosaken bedeutet ursprünglich freie Krieger, deren erste Erwähnung auf das Jahr 1443 datiert ist. In der Zeit des zaristischen Rußlands, in der Zeit der Frondienste und Leibeigenschaft fanden sich immer wieder freiheitsliebende Menschen, die dem Zwang ihrer Herren entfliehen wollten. Diese Menschen unterschiedlichster Herkunft und verschiedenster Nationen sammelten sich im "Wilden Feld", einem Gebiet zwischen Don und Dnjepr, das heute zu Weißrußland, Rußland und der Ukraine gehört. Es war die Zeit der Helden und im ständigen Kampf gegen die Tataren, die Soldaten des Zaren von Rußland und der Eroberung Sibiriens wurden ihre größten Atamane wie Stenka Rasin, Bulawin und Jermak zu Volkshelden, die uns noch heute in ihren wunderschönen Volksliedern überliefert sind.

Durch den ständigen Druck der Tataren, Türken und Rußlands, dem in vielen verlustreichen Schlachten zu begegnen versucht wurde, gab es nur die eine Möglichkeit: sich mit einer dieser Mächte zu arrangieren und fortan als Grenzwächter zu agieren. Seit dem 19. Jahrhundert kamen die Kosaken unter zaristischen Oberbefehl, wofür ihnen im Gegenzug eigene Gebiete und weitgehende Autonomie zugesichert wurden. Der jeweilige russische Thronfolger war ab 1827 der Großataman der Kosakenheere, die immer wieder in besonders gefährlichen Gebieten und Krisensituationen eingesetzt wurden, und denen sehr bald der Ruhm einer unbezwingbaren Eliteeinheit vorauseilte. In den Wirren der Oktoberrevolution von 1918 kämpften die Kosaken sowohl auf der Seite der bolschewistischen Aufständischen, wie auch, in alter Tradition, in den Reihen der Truppen des Zaren. Bald nahmen sie aber die Möglichkeit wahr, ihren eigenen Staat "Kosakia" zu gründen, der wiederum kurze Zeit später von der Roten Armee erobert und zerschlagen wurde. Für die Mehrzahl der besiegten Kosaken blieb nur noch der Weg in die Emigration.

Die Kosaken aus dem "Wilden Feld" mit ihren großen Städten Rostov am Don und Taganrog waren aber nicht nur als feurige säbelschwingende Reiter bekannt. Mindestens ebenso berühmt waren ihre starke Heimatverbundenheit, tiefe Religiosität und ihre herzergreifenden Lieder. Unter der Leitung von Sergej Jaroff und Andrej Scholuch formierten sich die Exilkosaken zu den großen Kosakenchören, die in den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts zu Weltruhm gelangten. Diese waren es dann auch, die das unschätzbare Liedgut der rauen Männer aus dem "Wilden Feld" einem weltweiten Publikum näher brachten und das Vermächtnis der Kosaken vom Don bis heute zu bewahren halfen.